🥩 BARF

Biologisch
Artgerechte Rohfütterung

Naehrstoffverteilung, Supplemente und Risiken der Rohfuetterung – fundiert und praxisnah.

🛡 Tiergesundheit ⏱ Lesezeit: 10 Min.

BARF = Biologisch Artgerechte Rohfuetterung (deutsch) / Bones And Raw Food (englisch).

Prinzip: Fuetterung roher Fleisch-, Knochen- und Pflanzenanteile ohne industrielle Verarbeitung. Orientierung an der natuerlichen Beute der Caniden und Feliden.

Verbreitung: Ca. 10-15 % der Hundehalter und 5-8 % der Katzenhalter in Deutschland barfen (Stand 2024).

Naehrstoffverteilung – Hund

Komponente Anteil Quellen Hinweis
Fleisch mit Knochen 50-60 % der Tagesration Rindfleisch mit Knochen, Haehnchen (ganz), Pute, Lamm, Kaninchen Fleisch-Knochen-Verhaeltnis idealerweise 70:30 bis 80:20. Knochen liefern Kalzium und Phosphor. Zu viele Knochen fuehren zu Verstopfung.
Pansen & Innereien 15-20 % der Tagesration Gruener Pansen (ungewaschen, mit Inhalt), Weisser Pansen, Lunge, Leber (max. 5 %), Niere (max. 5 %) Pansen liefert natuerliche Vitamine, Enzyme und Bakterien. Leber ist wichtig (Vitamin A, Eisen), aber nicht ueberdosieren – Vitamin-A-Toxizitaet!
Gemuese & Obst 15-20 % der Tagesration Zucchini, Brokkoli, Karotten, Suesskartoffel, Kuerbis MUSS pueriert oder fein geraspelt werden – Hunde koennen pflanzliche Zellulose nicht aufschliessen. Sonst nur Ballaststoff ohne Naehrwert.
Oele & Supplemente 5-10 % der Tagesration Lachsoel (Omega-3), Hanfoel, Olivenoel, Bierhefe (B-Vitamine), Eierschalen (Kalzium) Ohne Supplemente ist BARF unausgewogen! Kritisch: Kalzium (bei fleischlastiger Ratio), Jod, Vitamin D, Zink, Taurin (Katzen).

Naehrstoffverteilung – Katze

Komponente Anteil Quellen Hinweis
Fleisch mit Knochen 70-80 % der Tagesration Haehnchenhals, Haehnchenfleisch, Maeuse (ganz), Rind- und Putenfleisch Katzen brauchen einen deutlich hoeheren Fleischanteil als Hunde. Kein Gemuese noetig – Katzen fressen in der Natur nur Mageninhalt der Beute.
Innereien 10-15 % der Tagesration Herz (taurinreich!), Leber (max. 5 %), Niere, Lunge Herz ist die wichtigste Taurin-Quelle. Taurin-Mangel ist bei BARF-Katzen ein Hauptrisiko. Mindestens 10 % Herz oder zusaetzliche Taurin-Supplementierung.
Supplemente Essenziell! Taurin (500-1000 mg/Tag), Lachsoel, Vitamin B-Komplex, Eierschalen­pulver oder Kalzium­carbonat, Vitamin E (bei hohem Fischanteil) BARF bei Katzen ist anspruchsvoller als bei Hunden. Zwingend: Taurin-Supplementierung (Herz allein reicht oft nicht), Vitamin E, B-Komplex.

Rechenbeispiele

Hund, 15 kg, erwachsen, normale Aktivitaet

  • Kalorienbedarf: RER = 70 × 15^0,75 = 531 kcal/Tag. Mit Faktor 1,6: ca. 850 kcal/Tag.
  • Futtermenge/Tag: 2-3 % des Koerpergewichts = 300-450 g Gesamtration.
  • Kosten: 3,00-5,00 € / Tag (je nach Fleischqualitaet)

Katze, 4 kg, erwachsen, normale Aktivitaet

  • Kalorienbedarf: RER = 70 × 4^0,75 = 198 kcal/Tag. Mit Faktor 1,2: ca. 240 kcal/Tag.
  • Futtermenge/Tag: 2-4 % des Koerpergewichts = 80-160 g Gesamtration.
  • Kosten: 2,00-4,00 € / Tag

Essenzielle Supplemente

Supplement Dosierung Hund Dosierung Katze Zweck
Kalzium (Algenkalk / Eierschalenpulver) 1-2 g pro 500 g Fleisch (ohne Knochen) 0,5-1 g pro 250 g Fleisch (ohne Knochen) Kalziumversorgung bei fleischlastiger Ratio ohne Knochen
Taurin (fuer Katzen ZWINGEND) 500-1000 mg/Tag Praevention von DCM und Retinadegeneration
Omega-3-Oel (Lachsoel, Hanfoel) 1 Teeloeffel pro 10 kg Koerpergewicht 0,5 Teeloeffel pro Tag Entzuendungshemmend, Haut, Fell, Gelenke
Seealgen (z.B. Ascophyllum nodosum) 1-2 g/Tag 0,5 g/Tag Jodversorgung, Spurenelemente

Risiken beim BARFen

Naehrstoffmangel (Calcium/Phosphor-Ungleichgewicht)

Ohne Knochen oder Kalzium-Supplemente entsteht lebensgefaehrlicher Kalziummangel (sekundaerer Hyperparathyreoidismus), besonders bei Welpen. Ca:P-Verhaeltnis MUSS stimmen.

Praevention: Kalziumbedarf berechnen und supplementieren. Algenkalk oder Eierschalen­pulver. Bei Welpen: tieraerztliche Beratung zwingend!

Bakterielle Kontamination (Salmonellen, Campylobacter, Listerien, E. coli)

Rohes Fleisch traegt immer ein Bakterienrisiko. Gesunde Hunde/Katzen tolerieren mehr Bakterien als Menschen, aber immungeschwaechte Tiere, Welpen und Senioren sind gefaehrdet.

Praevention: Hohe Hygienestandards: Fleisch frisch oder tiefgekuehlt, Haende waschen, Arbeitsflaechen desinfizieren. Nicht fuer immungeschwaechte Tiere, Haushalte mit kleinen Kindern oder aelteren Menschen.

Knochenverletzungen

Gekochte Knochen splittern und koennen Oesophagus, Magen oder Darm perforieren. Auch rohe Knochen koennen zu Zahnbruechen, Erstickung oder Verstopfung fuehren.

Praevention: NUR rohe Knochen fuettern – keine gekochten! Keine langen Roehrenknochen (Feststeckgefahr). Keine schweren Markknochen (Zahnbrueche). Groesse an das Tier anpassen.

Taurinmangel (besonders bei Katzen)

Taurin ist wasserloeslich und kann bei Verarbeitung oder Lagerung verloren gehen. Herz allein deckt den Bedarf oft nicht. Mangel fuehrt zu DCM und Erblindung.

Praevention: Zusaetzliche Taurin-Supplementierung (500-1000 mg/Tag) auch bei Herzfuetterung. Regelmaessige Taurin-Blutspiegel-Kontrolle.

Vitamin-D-Mangel / -Ueberdosierung

Vitamin D kommt natuerlich kaum in Fleisch vor (ausser Lebertran). Mangel fuehrt zu Rachitis, Ueberdosierung (durch Supplemente) zu Kalzinose.

Praevention: Vitamin-D-Gehalt kontrollieren. Lebertran in Massen. Algenpraeparate enthalten oft Vitamin D.

Thiaminase-Vergiftung

Roher Fisch enthaelt Thiaminase (zerstoert Vitamin B1). Regelmaessige Fuetterung von rohem Fisch fuehrt zu Thiamin­mangel.

Praevention: Fisch vor Fuetterung kochen oder tiefkuehlen (Thiaminase wird durch Hitze zerstoert). Max. 1-2x pro Woche rohen Fisch.

Aujeszky-Virus (Pseudowut)

Rohes Schweinefleisch (insbesondere Wildschwein) kann den Aujeszky-Virus enthalten. Fuer Hunde und Katzen fast immer toedlich. Deutschland ist offiziell Aujeszky-frei, aber Wildschwein-Risiko besteht.

Praevention: SCHWEINEFLEISCH IMMER KOCHEN! Kein rohes Wildschweinfleisch. Bei Rindfleisch: auch Tropenvirus-Risiko beachten.

Wichtige Hinweise

  • BARF erfordert fundierte Kenntnisse der Tierernaehrung – kein Anfaenger-Thema!
  • Welpen und Junghunde sollten nur nach tieraerztlicher Beratung und Berechnung gebarft werden (Wachstums­stoerungen sind irreversibel!).
  • Jaehrliche Blutkontrolle empfohlen: Kalzium, Phosphor, Albumin, Harnstoff, Taurin (Katzen).
  • Niemals ohne Supplemente barfen (insbesondere Kalzium, Jod, Vitamin D, Taurin).
  • Bei gesundheitlichen Problemen sofort Tierarzt aufsuchen und BARF-Plan ueberpruefen.
  • BARF ist nicht automatisch besser als hochwertiges Alleinfutter – die Qualitaet der Zusammenstellung entscheidet.
  • Hygiene ist kritisch: Kreuzkontamination in der Kueche vermeiden, Fleischfach separat nutzen.
  • Alternative: BARF-Fertigprodukte (Menu-Blocks) mit bereits enthaltenen Supplementen – einfacher und sicherer.
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